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Das Wetter in Maikammer

Ortsportrait.

  • Ein Spaziergang durch den Ort.
  • Von Josef Brauer
    Die meisten Besucher von Maikammer-Alsterweiler nähern sich dem Dorf aus der Rheinebene. Je näher sie nun dem Dorf kommen, um so mehr lösen sich die Einzelheiten aus dem großartigem Panorama von Haardtgebirge und Ebene. Immer mehr beherrscht der schöne Kegelberg der Kalmit den Hintergrund des Bildes. Der Fleiß der Bürger hat hier eine Gemeinde aufgebaut, die weit und breit ihresgleichen sucht (Standpunkte der Betrachtung gibt es, die in ihrer architektonischen Geschlossenheit einmalig sind). Wenn wir die Straßen der Gemeinde, die im Laufe der Zeit entstanden sind, durchwandern, so ist das ganze Dorf ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch, zu Stein erstarrt. Ich will Ihnen die Besichtigung erleichtern und die Einzelheiten erläutern. Wir kommen von der B38 und betreten die Bahnhofstraße. Es fällt auf, dass die Bautätigkeit sehr rege ist.

    Baulücken, die über hundert Jahren frei gehalten wurden, schließen sich in der neueren Zeit. Wir kommen vorbei an einer modernen Kiwianlage, die bedingt durch das gute Klima jährlich zufriedenstellende Erträge hat. Die ersten älteren Häuser im Osten von Maikammer stammen aus der Gründerzeit. Diese Gründerzeit zwischen 1870 und 1914 hat in Maikammer ein wahres Baufieber ausgelöst.

    Schon vor dem deutsch-französischen Krieg 1870 – 1871 hatte der Spenglermeister Franz Ullrich begonnen, Blechgeschirre mit Hilfe von Handstanzen zu ziehen. Ihm verdanken wir die Verbesserung des Klappmeters, wie er in Art und Konstruktion heute noch in jedem Haushalt zu finden ist. Im weiteren Gang auf den Mittelpunkt des Dorfes sehen wir auf der linken abzweigenden Straße die evangelische Kirche, dem heiligen Johannes dem Täufer gewidmet.

    Das Schlössel Ullrich kommt ins Blickfeld und beherrscht das Straßenbild. Sein Gegenpol ist das Lindenschlösschen der Familie Ziegler. Zusammen mit den stolzen Bürgerhäusern der Weingutsbesitzer, in deren Vorgärten die großartigen Libanonzedern stehen, ist es ein einmaliger Anblick. Alle diese Häuser wurden zwischen 1890 und 1900 gebaut. Diese Jahre waren die Blütezeit des deutsches Weinbaus. Mittlerweile waren durch den Bau der Bahnlinie die Verkehrswege erschlossen und der Pfalzwein in ganz Deutschland ein begehrtes Handelsobjekt.

    Beim weiteren Gang kommt die katholische Pfarrkirche ins Blickfeld, die mit dem schlanken Turm und dem gewaltigen Kirchenschiff auf einem Hügel das ganze Dorfbild beherrscht. Nach einer Straßenbiegung nach Westen öffnet sich das „LINDENECK“ beherrscht von einer alten Eibe mit dem gut geformten Brunnen. Im Mittelalter war dies der Tanzplatz der Jugend, der Name erinnert noch daran.

    Mit dem Lindeneck kommen auch die ersten Torbogen zu Gesicht, welche das Dorfbild über Jahrhunderte bestimmt haben. Die Gründerzeit hat die Torbogen etwas vernachlässigt. Trotzdem können wir den ersten am Haus Nr. 41 entdecken und den zweiten am Haus Nr. 37. Der letzte wurde 1947 als einer von 5 Bögen, die nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut wurden, in Anknüpfung an alte Tradition gebaut.

    Ein paar Schritte weiter können wir einen Blick nach Westen werfen in die Hartmannstraße, die im unteren Teil nach organisch gewachsen ist. Ab dem alten Ortsende von Maikammer bis Alsterweiler ist die Hartmannstraße auf dem Reißbrett entworfen und die Hausstellen gleich mit eingeteilt. Die Häuser wurden nach wenigen Bauplänen erstellt, damit die Schalungen für die gewölbten Sandsteinkeller immer wieder von Haus zu Haus verwendet werden konnten. Rationelles Bauen eines ganzen Straßenzuges in 10 Jahren. Auf der linken Seite öffnet sich der Kirchenvorplatz und gibt den Blick frei auf den Kirchturm mit dem Rundportal, über dem sich eine Rokokoplastik mit sehr viel Symbolik befindet.

    Der Kirche gegenüber können wir 3 Häuser bewundern, die 3 geistige Welten vertreten. Das Eckhaus Weinstraße-Hartmannstraße stammt aus dem 16. Jahrhundert. Am Erdgeschoss sind noch die Renaissancegewände von den typischen Ablaufvoluten zu erkennen. Breit gelagert mit abgewandem Giebel das typische Winzerhaus der Renaissance. Der Torbogen stammt von 1948 in Anlehnung an alte Traditionen.
    Links daneben hat die deutsche Romantik aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Steinmetzkunst wahre Triumphe gefeiert. Nur Könner aus der strengen Handwerksausbildung bei wenig Lohn haben solche Meisterwerke schaffen können. Das Nachbarhaus links daneben, kann seine Entstehung in der Zeit des Biedermeier 1817 nicht verbergen. Streng symmetrisch sind die Fensterachsen aufgebaut. Der Wechsel von weißen mit roten Natursandsteinen mildert die Strenge der Fassade.

    Im nächsten Haus ist die Buchdruckerei Heinrich Schreck ansässig. Hier wurde auch der „Bezirksanzeiger“ Maikammer und Umgebung gedruckt. Ein klarer Beweis für die Zentrallage unsere Dorfes und die Pressevielfalt im vergangen Jahrhundert. Diese Herrengasse, wie sie im vorigen Jahrhundert auch genannt wurde, wird gesäumt von schönen Barock- und Biedermeierhäusern, die alle in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg entstanden. Sie stehen zum Teil auf den Fundamenten der Renaissance und zeugen vom Aufbauwillen der Bevölkerung nach diesem furchtbaren Kriegsgeschehen. Auch die Kunst am Bau wurde nicht vergessen, denn schöne Madonnenstatuen aus der Barockzeit grüßen von den Fassaden der Häuser.

    Am Marktplatz ist ein besonders schönes Torgewände mit der Jahreszahl 1595, dass in seiner feinen Ziselierarbeit besonders ins Auge sticht.

    In der Straße nach St. Martin sehen wir vor der Barockfassade mit Kreuz, das Wahrzeichen von Maikammer. Gegenüber des erwähnten Torbogens steht das Verkehrsamt mit dem Schoppendenkmal. Aus einer Weinlaune heraus entstanden, um den trinkfreudigen Bürgern ein Maß zu zeigen. Auf der Mitte des Marktplatzes vor der imposanten Fassade des „GOLDENEN OCHSEN“ steht das Hartmanndenkmal. In diesem Jahr 1995, am 04. Februar, ist 200-jähriger Geburtstag von General Valentin Jakob Freiherr von Hartmann. Er war mit dem 2. Bayerischen Armeekorps maßgeblich beteiligt an der Eroberung von Paris 1871. Zur Erinnerung wurde im Jahr 1900 das Denkmal eingeweiht.

    Wir gehen die Weinstraße nach Süden weiter, früher Heerstraße genannt. General Hartmann und seine Soldaten sind auf dieser Heerstraße nach Weißenburg marschiert, zur ersten Schlacht am Geisberg 1870.

    Wir kommen vorbei „AM WINZER“, ein Gasthaus und Gutshof, der mit den schönen Arkaden im Hof ein würdiges Domizil der Pfälzer Weinprinzessin ist.

    Auf der Ecke des Barockanwesens grüßt eine der Pfälzer Madonnen, den Blick zum Himmel gerichtet, mit dem reichen Faltenwurf der Gewänder.

    Gegenüber lesen wir die Jahreszahl 1660 mit den drei Rhomben zwischen den Zahlen zum Zeichen, dass das Haus die fürstbischöfliche Forstverwaltung beherbergt hat.

    Nach der Brunnenstraße auf der rechten Seite befindet sich das Geburtshaus der Gebrüder Hartmann, deren Vater als Huf- und Wagenschmied sein Brot verdient hat.

    Beim weiteren Gang kommen wir zum Abzweig des Weideweges rechts. Auf der linken Seite lag der „EDELHOF“. Hier wohnten die Dienstleute des niedrigen Dorfadels, welche die Güter der Herrschaft als Hintersassen bearbeitet haben. Am Haus ist ein sehr schönes, bis ins kleinste gehende Glaserwappen. An diesem „EDELHOF“ begann die Weed bis zum Kropsbach. Hier waren die Enten, Gänse und Hühner versammelt, um sich im Wasser zu tummeln. Rechts der Straße war noch in meiner Jugend in einer Vertiefung mit schweren Sandsteinbänken die Waschanlage.

    Auf den Steinbänken haben die Frauen mit fließendem Wasser die Wäsche geschrubbt. Ganz in der Nähe war da noch die Bleiche, an der das Weißzeug an der Sonne durch öfteres Gießen gebleicht wurde.

    Nachdem wir einen eindrucksvollen Hof mit Park aus der Gründerzeit passiert haben, kommen wir zum letzten Haus im Süden des Dorfes. Ein wahres Kleinod. Das schönste Haus der Weinstraße im reinen Jugendstil. Das Haus mit weißen und roten Sandsteinen. Das Kellergeschoss als Zyklopenmauerwerk ausgebildet. Der Wechsel von Naturstein mit glasierten Klinkern, dazu unter den Fensterbänken, Kacheln bunt bemalt und in der Größe genau eingepasst. Die Fenster haben zum Teil Glasmalerei und in Blei gefasste Butzenscheiben. Die Bibliothek stützt mit Säulen eine Veranda. Das Türmchen aus Fachwerk, das mit Schiefer gedeckt ist, lässt den Blick über die fruchtbare Flur schweifen. Schmiedeeisen in Form von Rosen, Blättern und Girlanden schmücken als Brüstung, Geländer oder Verstrebung das ganze Haus. Tor und Parkeinzäunung umschließen einen Garten mit Zedern und seltenen Gewächsen im Geschmack des Jugendstils das ganze Haus.

    Auf dem Rückweg ins Dorf kommen wir an der Sportanlage vorbei, sehen das Rathaus mit der Feuerwehrhalle mit dem neuen Kindergarten.

    Nach wenigen Metern kommen wir zum Anwesen Spies. An dem Gebäude grüßt der Torso einer einmaligen, besser erstmaligen Rarität herunter. Als bei der Weltausstellung 1900 in Paris der Gärtner Monier seine Erfindung des Moniereisens anbot, haben es die Herren Weiß und Freytag gekauft.

    Weil in der Zeit Bürgermeister Frantz sein Haus mit Garten, als Erholungspark der Gemeinde gemacht hatte, bot es sich an, an dieser Stelle die neue Erfindung auszuprobieren. So kam der stattliche Balkon, der mittlerweile um 2/3 gekürzt ist, zustande.

    Dieses immer noch eindrucksvolle Bild vom ersten Balkon in Eisenbeton zeugt vom Unternehmergeist der Gründerzeit. Im Keller des Hauses befindet sich noch ein rundes Zementfass, weil mit der Statik des Innendruckes bei dem gefüllten Fass noch Erfahrung gesammelt werden musste.

    Wenige Schritte sind es noch zur „JOHANNES-LEONHARDT-SCHULE“ von 1887. Johannes Leonhardt verfasst die erste Dorfchronik. Wir können hier die künstlerisch bemerkenswerte Giebelwand am Neubau der Schule bewundern, den Weinbau darstellend.

    Gehen wir die Marktstraße hoch, so sehen wir links einen Torbogen mit der Jahreszahl 1614, von einem Maikammerer Steinmetz.

    Jetzt kommen wir an drei großartige Zeugen der Baugeschichte von Maikammer.

    Das Bürgerhaus mit seiner abwechslungsreichen Geschichte ist ein Paradebeispiel für Auf und Nieder, für Hoch und Tief von Familien und Häusern. Bleiben wir zunächst im Hof mit den Efeubäumen, die schon ihre 300 Jahre hinter sich haben.

    In der Mauer sind gar Steine bis zurück in die Gotik gut sichtbar zu erkennen. Sie haben kurz über dem Schwerpunkt die Löcher für Zangen, mit denen die schweren Steine, an Haspeln hochgezogen wurde, um ins Speisbett gesetzt zu werden. Auch die Steine vom Korbbogengewölbe des ehemaligen Kellers aus der Renaissance sind hier vermauert.

    Gegenüber ist das Haus der Familie Lotter mit dem Renaissancetorbogen, dem interessanten Kellereingang in die ehemalige Metzgerei und der Treppengiebel.

    Der Treppengiebel gründet auf 2 Konsolen mit sorgfältig behauenen Halbreliefs Tod und Leben darstellend.

    Das Haus Frankmann, Marktstraße 6, ist wohl das älteste von Maikammer. Wenn wir nun die Kirchstraße hochgehen, ist linker Hand ein ebenmäßiger Fachwerkbau mit der Jahreszahl ? einer der ersten Neubauten nach dem 30-jährigen Krieg.

    Rechts daneben ist die Kath. Pfarrbücherei, früher Zehntscheuer. Der Keilstein des ehemaligen Torbogens ist in der Pfarrscheune eingelassen, 1612 mit 3 Rhomben zwischen den Zahlen.

    Zum Zeichen der bischöflichen Oberhoheit.

    Das Kriegerdenkmal am ehemaligen Friedhofseingang ist eine einmalige Schöpfung von Bildhauer Neuermacher aus Worms. Die 4 apokalyptischen Reiter mit dem Spruch „Der Krieg ist verderblich, Menschen werden gemordet, die Siedlungen zerstört, Säuglinge zertreten, Tugenden verleugnet“ können wir täglich nachvollziehen und regt zum Nachdenken an. Auch das Friedhofskreuz von 1727 wäre in seiner zarten Ausdrucksweise besser schützenswert.

    Im Hintergrund in die Kirchenwand eingelassen, ist das Denkmal der Herren von Oberstein, die als niederen Dorfadel dem Fürstbischof direkt unterstanden und den Zehnten eingezogen haben. Die heutige Barockkirche ist das 4. Gebäude an dieser Stelle. Wie Dr. Alois Lamott, Pfarrer in Maikammer, in einer Dokumentation von den Kellerausgrabungen 1935 nachgewiesen hat, stammt ein römisches Heiligtum oder eine Villa Rustica im 3. Jahrhundert an dieser Stelle.

    Nach der Wiederbesiedlung durch die Franken stand an der gleichen Stelle eine romanische Kirche. 1308 wurde eine gotische Kirche errichtet, deren Schlussstein im Scheidel des Kreuzgradgewölbes im heutigen Kirchturm eingemauert ist. Auch das Altarbild, ein Tryptichon der gotischen Kirche, befindet sich in der Kapelle in Alsterweiler. Das 4. Gebäude ist der Barockbau der heutigen Kirche von 1756. Die Erweiterung erfolgte 1936.

    In der Hartmannstraße befinden sich Häuser aus der Blütezeit der Renaissance, den Nachfolgern der alten Holzhäuser. Torbogen mit Nadelöhr von dem Maikammerer Steinmetz geschaffen zieren das mittelalterliche Straßenbild. Die innige Darstellung einer Pieta grüßen von der Höhe eines Torbogens. Auf der Gegenseite, ECKHAUS Hartmann-Friedhofstraße, befindet sich ein kleiner Renaissanceeingang. Auf der Patrone des Keilsteines ein U, bedeutet Ullrich, das Firmenzeichen der Emaifabrik. Das Haus, in dem der Klappmeter erfunden wurde. Auch hier wieder blicken von den Konsolen unter dem Treppengiebel 2 Steinbilder, Gut und Böse darstellend.

    Diese vier bis fünf Häuser bilden die Gründungszelle der späteren Emailfabrik, die durch einen Neubau in den Dieterwiesen erweitert wurden.

    Kurz vor dem 1. Weltkrieg wurden in einem modernen Fabrikbau mit neuen Kaminen für die Brennanlage der Betrieb vergrößert.

    Durch den schwarzen Freitag in Amerika 1929 kam die Fabrik in eine Notlage und wurde viel zu schnell abgerissen.

    Nicht weit von der Fabrik wurde die Schloßstraße errichtet. Ein Wohnblock für die Arbeiter der Fabrik. Für die frühe Zeit der Industrialisierung eine vorbildliche Sozialtat. Denn welcher Fabrikbesitzer kümmert sich heute noch um die Wohnsituation seiner Arbeiter.

    Die Sängerhalle, als kultureller Mittelpunkt, stammt aus der gleichen Zeit. Bis zur Kapelle in Alsterweiler sehen wir die Häuser, deren Keller nach einer Einheitsschalung errichtet wurden. An der Mauer links vor dem langen Hof sehen wir wieder Steine aus der Gotik mit den typischen Zangenlöchern. Hier stand die ehemalige KREDENBURG. In einem Keller kann man noch Steine einer Brücke aus salischer Zeit sehen. Also Romanik.

    Durch diesen Rundgang durch die Gemeinde können wir den Einfallsreichtum kultureller Vielfalt, den Fleiß der Winzer und den der Handwerker erkennen.

    Kaum ein Dorf bietet einen solchen Formenreichtum der Bauten, einen soziologischen Hintergrund der Menschen und einen Weitblick in die Zukunft.

    Allen Besuchern unseres Dorfes wünsche ich einen freien Blick und ein offenes Ohr für die feinen Nuancen der hiesigen Gemeinde. Den Besuchern der Festveranstaltung und dem Verein ein gutes Gelingen und nachhaltige Wirkung!