EXPO2000 / DORF2000
Untervorhaben: Der Pfälzer Weg zur Optimierung des Weinbaues durch Bodenordnung
Weinbau hat in der Verbandsgemeinde eine jahrhundertealte Tradition. Ein zweites wirtschaftliches Standbein ist der Tourismus. Diese Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen waren durch den Strukturwandel im Weinbau, verbunden mit negativen Auswirkungen auf Orts- und Landschaftsbild, gefährdet. Hinzu kamen die Bedrohung der Orte durch sommerliche Starkregen und ein steigendes Verkehrsaufkommen in den engen Ortsstraßen. Gemeinsam mit der Winzerschaft konnte die Verbandsgemeinde diese Gefahren abwenden.
Die Verbandsgemeinde Maikammer wurde im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform im Jahre 1972 gebildet und besteht aus den Ortsgemeinden Kirrweiler, Maikammer und St. Martin, wobei die Ortsgemeinde Maikammer gleichzeitig Sitz der Verbandsgemeinde ist. An der Deutschen Weinstraße gelegen, erstreckt sich die Verbandsgemeinde über eine Fläche von rd. 40 qkm und hat ca. 8300 Einwohner.
Malerische Landschaften, romantische alte Ortskerne und besonders die hervorragenden Weine sind das Grundkapital der Verbandsgemeinde. Dieses Grundkapital war massiv gefährdet.
Der Weinbau, die dominierende wirtschaftliche Kraft der Verbandsgemeinde, stand vor großen Problemen. Der ökonomische Druck, dem die Winzer weltweit ausgesetzt sind, führte zu einer steigenden Mechanisierung im Weinbau bis hin zum Traubenvollernter. Der möglichst rationelle Einsatz der neuen Technik und die notwendige Senkung des Arbeitsaufwandes in den Weinbergen bei gleichzeitigem betrieblichem Wachstum machen neue Strukturen notwendig. Insbesondere müssen die Weinberge bestimmte Anforderungen im Hinblick auf Erschließung, Wasserführung, Hangneigung, Grundstücksform und Zeilenlängen erfüllen. Dies traf für die meisten Weinberge in der Verbandsgemeinde nicht mehr zu. Die überkommene, durch Realteilung zersplitterte Flurstruktur hatte zu kleinen, teilweise ungünstig liegenden Grundstücken geführt, auf denen rationelle Bewirtschaftung bis hin zum Vollernter nicht mehr möglich war. Die herkömmliche Bearbeitung unter Einsatz von vielen Arbeitskräften und Erntehelfern ist wesentlich aufwendiger und teurer.

Anbauflächen drohten brach zu fallen und die in Jahrhunderten gewachsene Weinbaulandschaft mit ihren typischen Landschaftselementen wie Terrassen, Böschungen, Bächen und Hohlwegen war gefährdet. Auch in den Orten zeigten sich die Folgen des Strukturwandels. Einige ehemals landwirtschaftlich genutzte und ortsbildprägende Gebäude standen leer.
Hinzu kam eine dramatische Zunahme des Verkehrs in den engen Ortsstraßen. Diese wurden, da den meisten Höfen eine dringend notwendige rückwärtige Erschließung fehlte, zusätzlich auch noch durch den weinbaulichen Verkehr belastet.
Eine weitere Gefahr für die Verbandsgemeinde bildeten die sommerlichen Hochwasser. Ausgelöst durch die für die Gegend typischen sommerlichen Starkregen, traten die wenigen, engen und teilweise verrohrten Gräben über die Ufer und bedrohten die Ortslagen.
In Maikammer werden Probleme gemeinsam gelöst
Um diese Probleme zu lösen, beschlossen die Winzer in enger Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde, eine abschnittsweise Weinbergsflurbereinigung durchzuführen. Diese Flurbereinigung erfolgt über viele Jahre verteilt nach einem festen Zeitplan. Dadurch fallen für die einzelnen Betriebe Ertragsausfälle nur in geringem Maße und in wirtschaftlich verkraftbarem Umfang an. Die Umsetzung von gemeindlichen Vorhaben mit Flächenbedarf, wie der Bau von Umgehungsstraßen und die Anlage von Regenrückhaltebecken, wurde im Takt der Weinbergsneuordnung durchgeführt. Dabei wurden Flächen bereitgestellt und beim Ausbau kostengünstige Kooperationen geschlossen.
Ziele der Neuordnung waren neben einer deutlichen Verbesserung der Agrarstruktur eine Erhaltung und Aufwertung des Landschaftsbildes, ein Beitrag zur Verbesserung der Wasserwirtschaft sowie der Verkehrssituation. Hierdurch sollen neue Arbeitsplätze im Weinbau geschaffen und die vorhandenen gesichert werden. Auch der Tourismus, der von einer intakten Weinbaulandschaft abhängig ist, wurde durch diese Maßnahmen gefördert. Nicht zuletzt wurde der Wohn- und Freizeitwert für die Bürger gesteigert.
Die Betriebssituation im Weinbau wurde verbessert
Im Zuge der Weinbergsneuordnung wurden unwirtschaftliche Parzellenformen und -größen in parallelen Parzellen mit wirtschaftlicher Zeilenlänge umgewandelt und zu wirtschaftlich vernünftigen Einheiten zusammengelegt. Ehemals schlecht erschlossene Rebflächen sind jetzt über ein modernes Wegenetz erreichbar. In den Orten wurden viele Höfe rückwärtig erschlossen, was die Betriebsabläufe deutlich verbessert und den Verkehr in den engen Dorfstraßen spürbar entlastet hat.
Alte Gebäude erhalten einen neuen Nutzen

Durch Maßnahmen der Ortsgemeinden und private Initiativen konnten viele der ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäude revitalisiert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. So wurde ein um 1900 in Maikammer als Winzerbetrieb errichtetes Gebäude, das von 1950 bis 1970 als Wohnhaus und Arztpraxis genutzt wurde, wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt. Es wurde von einem Weingut erworben und beherbergt heute eine Weinprobierstube und eine Straußwirtschaft.
Die Gemeinde Kirrweiler kaufte zwei ungenutzte ehemalige landwirtschaftliche Gebäude, die an der Hauptstraße lagen. Nach erfolgtem Abriss wurde das Grundstück verkauft. Es entstanden neue Häuser, die sich optisch in das gewachsene Ortsbild einfügen und heute die Geschäftsräume einer Bank sowie eine Arztpraxis und mehrere Wohnungen beherbergen.
Die alte Kellerei St. Martin ist ein geschichtsträchtiger Bau, der bereits 1530 urkundlich erwähnt wird. Auf diesem ehemaligen Frei- und Adelshof der Dalberger mussten die Untertanen ihren Weinzehnt abliefern. 1988 wurde das Gebäude von der Ortsgemeinde St. Martin erworben und umfangreich saniert. Neben dem Büro für Tourismus befinden sich Ausstellungsräume, der Ratssaal sowie eine Kulturscheune in der neuen "Alten Kellerei".
Aus einem ehemaligen, um 1600 erbauten Winzergehöft, das die Ortsgemeinde Maikammer erworben hat, wurde ein Bürgerhaus für die Vereine und die Bürger geschaffen. Es wird auch als Tagungsstätte genutzt und beherbergt eine Hotelfachschule.
Der Verkehr wird beruhigt

Die engen Straßen in den Ortsgemeinden waren dem dramatisch zunehmenden fließenden und ruhenden Verkehr nicht mehr gewachsen.
In Kirrweiler und Maikammer begegnete man diesem Problem durch die behutsame Schaffung von Parkplätzen, die sich harmonisch in das Ortsbild einfügen.
In St. Martin wurden ausreichend Parkplätze vor der Ortslage eingerichtet. Der durch den Tourismus bedingte innerörtliche Verkehr konnte so deutlich vermindert werden.
Naturschutz, Hochwasserschutz und die Erhaltung des Landschaftsbildes
Die Übergangszonen zwischen Wald und Weinbergen werden geprägt von Streuobst und Weinbau in Terrassen. Mangelnde Erschließung und Kleinparzellierung führten zu ersten Brachen und einem Vorrücken des Waldes. Diese Übergangszonen gehören aber nicht nur zum unverwechselbaren Landschaftsbild der Weinbaugemeinden am Haardtrand, sie dienen auch als Biotop für Wärme liebende Tiere und Pflanzen. Der Erhalt dieser Übergangszonen lag deshalb im Sinne von Mensch und Natur und wurde durch die Neuordnung in der Weinbergsflurbereinigung unterstützt.
Vor der Neuordnung betrug die Biotopfläche in den Weinbergen 35.000 qm

Durch die Wiederherstellung und Neuschaffung ökologisch wirksamer Flächen und den Aufbau vernetzter Biotopstrukturen mit Anschluss an den Pfälzer Wald konnte die Biotopfläche auf 200.000 qm ausgeweitet werden. Gleichzeitig wurden schmale, teilweise eingemauerte und verrohrte Bäche renaturiert. Aus Bachbetten ohne Rückhalteraum wurden wieder in die Landschaft eingebettete Bäche mit viel Entwicklungsraum. Regenrückhaltebecken wurden als Weiher angelegt und schützen auf natürliche Weise die Ortslagen vor den anfallenden Hochwassern.
Maikammer ist eine Verbandsgemeinde, die vom Wein und mit dem Wein lebt. Der Gefährdung dieser Lebensgrundlage begegneten Gemeinde und Bevölkerung gemeinsam. Ein großes, umfangreiches und schwieriges Projekt wie die durchgeführte Weinbergsneuordnung ist auch nur dann machbar, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten. Die Verbandsgemeinde Maikammer hat bewiesen, wie solche Vorhaben mit Erfolg durchgeführt werden können.
ENGLISH SUMMARY
The Palatinate path to optimising Wine-growing through land reorganisation
Wine-growing is a centuries-old tradition in the Maikammer combined district, which is made up of the village districts of Maikammer, Kirrweiler and St. Martin. Tourism forms another economic pillar of the community. These fundamental principles of life and business were put at risk by fundamental structural changes in Wine-growing. Associated with this was a negative effect on the image of the locality and countryside. And in addition to all this, the locality was also endangered by high river levels triggered by strong summer rains and by increasing levels of traffic on its narrow country roads. In order to solve these problems, the Wine growers have, in cooperation with the district council, cleared certain areas of the hillside vineyards. The aim of the re-structuring process is, in addition to making considerable improvements to the agrarian structure, to preserve and enhance the countryside image, and also to improve water management and the traffic situation. In order to achieve this, in the course re-structuring the hillside vineyards, parcels of land which were uneconomic in shape and size were converted into parallel parcels of land with economic line lengths and surface areas complete with a modern network of connecting tracks. This re-structuring process has made it possible to significantly extend the biotope structure of the area. At the same time, brooks have been re-routed and ponds have been dug as retention reservoirs for rainwater. Old local buildings, which in some cases were in an advanced state of decay, have been restored and re-utilised both by the council and in private initiatives. In order to relieve congestion on the narrow village roads, car parks have been set up on the outskirts of the villages and many of the courtyards have been given a rear access to the road system.









